Attila József aus einem anderen Blickwinkel

Am Montagabend, dem 19. Januar 2026, starteten die Schüler und Schülerinnen des Schülerwohnheims das neue Schuljahr mit einem besonderen kulturellen Programm. Anlässlich des Tages der Ungarischen Kultur nahmen wir an einem József-Attila-Abend im Bubik-István-Theatersaal des Csili-Kulturzentrums teil.
Die Aufführung suchte nach einer Antwort auf die Frage, was József Attila uns heute bedeutet. Wir kennen seinen Lebensweg, haben Lieblingsgedichte und interpretieren seine Zeilen immer wieder neu, dennoch denken wir selten darüber nach, welche zerstörerische Leidenschaft und welches elementare Verlangen nach Liebe in ihm wirkten. Mit den Worten von Sándor Márai: „József Attila griff mit der Kraft des Wahnsinns, mit einem einzigen Wort manchmal tiefer als jeder andere vor ihm.“ Aus dieser Tiefe schöpfte auch die Aufführung.
In der persönlich gehaltenen Darbietung von Miklós H. Vecsei zeichnete sich der Lebensweg des Dichters, seine Lieben und seine inneren Kämpfe vor uns ab – mit József Attilas eigenen Worten: aus seinen Briefen, Notizen und natürlich aus seinen Gedichten. Das Stück, das seit 2018 im Repertoire des Vígszínház-Theaters steht, kam in einer reisefähigen Version zu uns, und mitwirkte auch der Frontmann der Band Platon Karataev, Gergely Balla. Die 80-minütige Aufführung ohne Pause bot ein tiefes, ernstes und bewegendes Erlebnis, das viele von uns noch lange zum Nachdenken brachte.
Zum Abend gehörten natürlich nicht nur geistige, sondern auch körperliche Herausforderungen: Der Spaziergang vom Internat zum Theater – und der Rückweg – war denkwürdig kalt. Zum Glück wärmte ein kurzer Halt bei McDonald’s nach der Vorstellung nicht nur die gute Laune, sondern auch unsere ausgekühlten Gliedmaßen wieder auf. Mit vielen Erlebnissen – und Gedanken – kehrten wir gegen halb neun abends ins Internat zurück.
Dieser Abend war nicht nur ein Theaterbesuch, sondern eine echte Begegnung mit József Attila: als Mensch, als Dichter, als leidende und nach Liebe verlangende Seele. Es war ein schöner und unvergesslicher Jahresbeginn für uns alle.
Desics Júlia
Wohnheimserzieherin




